Rückwärtskalkulation

Was ist eine Rückwärtskalkulation?

Die Rückwärtskalkulation ist eine Handelskalkulation. Sie wird verwendet, wenn der Verkaufspreis eines Produkts gegeben ist und der maximale Listeneinkaufspreis errechnet werden soll. Es wird also vom Verkaufspreis zum Einkaufspreis zurückgerechnet.

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    Lesedauer: 6:09 min

    Was ist eine Rückwärtskalkulation? (ausführliche Definition)

    Den passenden Preis für die eigenen Produkte zu ermitteln, ist für jedes Unternehmen essenziell. Eine von mehreren Optionen ist in dieser Hinsicht die Rückwärtskalkulation. Sie wird überwiegend im Handel, aber auch in der Industrie eingesetzt. Ihr Ziel ist es, den Listeneinkaufspreis zu ermitteln, wenn der Listenverkaufspreis (Zielverkaufspreis) eines Artikels vorgegeben ist. Kalkulatoren rechnen also rückwärts, um denjenigen Zieleinkaufspreis zu finden, mit dem das Produkt gewinnbringend am Markt platziert werden kann. Der Ansatz legt den Fokus auf den Produkteinkauf. Denn am Ende sind es bei dieser Handelskalkulation vor allem die Einkaufspreise und Bezugskosten, über die sich die Gewinnmarge steigern lässt.

    Der Listenverkaufspreis spielt aber dennoch eine wichtige Rolle. Er sollte mit Sorgfalt gewählt werden, sodass er in die Preisstruktur des Marktes passt und von den Kunden akzeptiert wird. Unterstützend können an dieser Stelle Marktanalysen genutzt werden, aus der der marktübliche Preis hervorgeht.

     

    Für wen ist die Rückwärtskalkulation sinnvoll?

    Die naheliegendste Art der Preiskalkulation ist sicherlich die Vorwärtskalkulation (ausgehend vom Einkaufspreis; siehe nächster Abschnitt). Doch ist diese Methode nicht immer anwendbar. Ein Grund ist beispielsweise die Digitalisierung im Handel: Kunden haben hierdurch immer mehr Möglichkeiten, Preise zu vergleichen und den günstigsten Anbieter zu finden. Um in solch einem Marktumfeld wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es unerlässlich, dass die eigenen Preise von den Kunden akzeptiert werden. Die Verkaufspreise willkürlich festzulegen, ist also nicht möglich.

    Somit ist es notwendig, von einem weitgehend feststehenden Verkaufspreis auszugehen und andere Möglichkeiten zu finden, die Gewinnmarge zu maximieren. Wer die Rückwärtskalkulation richtig anwendet, wird die entsprechenden Punkte und Spielräume identifizieren. Denn es existieren durchaus verschiedene Hebel, um trotz fixer Listenverkaufspreise Gewinnsteigerungen zu realisieren.

     

    Welche Handelskalkulationen gibt es?

    Grundsätzlich existieren drei Arten der Handelskalkulation. Neben der bereits erwähnten Rückwärtskalkulation sind dies die Differenzkalkulation und die Vorwärtskalkulation. Letztere bildet das genaue Gegenstück zur Rückwärtskalkulation. Die wesentlichen Unterschiede der beiden Methoden stellen sich folgendermaßen dar:

    Rückwärtskalkulation Vorwärtskalkulation 
    Ziel: Listeneinkaufspreis ermitteln Ziel: Listenverkaufspreis ermitteln
    Rechenrichtung: rückwärts (ausgehen vom Verkaufspreis) Rechenrichtung: vorwärts (ausgehen vom Einkaufspreis)
    Geeignet für Branchen, in denen der Verkaufspreis weitgehend durch den Markt vorgegeben ist Geeignet für Branchen, in denen der Markt eine freiere Gestaltung von Verkaufspreisen erlaubt (z. B. individuelle Produkte)

    Wie gehe ich bei der Rückwärtskalkulation vor?

    Bei der Ermittlung des korrekten Preises über die Rückwärtskalkulation spielen mehrere Punkte eine Rolle: So bildet sich der Listenverkaufspreis nicht nur aus Einkaufspreis und Gewinn. Es müssen auch Faktoren wie Bezugskosten, Barverkaufspreis, Selbstkosten, Rabatte und Skonti berücksichtigt werden. Hierfür gibt es ein festgelegtes Schema, das wir im folgenden Abschnitt näher betrachten.

    Wie wird die Rückwärtskalkulation berechnet?

    Das Schema der Rückwärtskalkulation ist simpel: Die Basis aller Berechnungen ist stets der Listenverkaufspreis (= Zielverkaufspreis). Von diesem ausgehend rechnet sich der Kalkulator Schritt für Schritt bis zum Listeneinkaufspreis durch.

    So ist Rückwärtskalkulation aufgebaut:

    Berechnung Hinweise/Erklärung
    Bruttoverkaufspreis
    - Umsatzsteuer
    = Nettoverkaufspreis
    Nettoverkaufspreis
    - Kundenrabatt
    = Zielverkaufspreis
    Der Zielverkaufspreis ist dasselber wie der Listenverkaufspreis. Es handelt sich um den Preis, den Unternehmen erhalten möchten, wenn Provision, Skonto und Barverkaufspreis bereits verrechnet sind.
    Zielverkaufspreis
    - Skonto
    - Vertreterprovision
    = Barverkaufspreis
    Vertreterprovision wird fällig, wenn Produkte über Dritte verkauft werden (gilt auch beim Verkauf über Marktplätze wie Amazon)
    Barverkaufspreis
    - Gewinn (Gewinnzuschlag in %)
    = Selbstkosten
    Der Gewinn wird selbst definiert und prozentual vom Barverkaufspreis abgezogen. Die Selbstkosten enthalten somit alle Kosten, die vom Einkauf bis zum Gewinnaufschlag anfallen. Ab dieser Stufe kann die Kalkulation mit verschiedenen Lieferanten durchgerechnet werden.
    Selbstkosten
    - Handlungskostenzuschlag
    = Bezugspreis
    Unter Handlungskosten sind die Kosten der handelsbetrieblichen Tätigkeit zu verstehen (z. B. Personalkosten, Raumkosten, Miete etc.). Sie werden dem Bezugspreis prozentual hinzugerechnet. Der Bezugspreis umfasst alle anfallenden Kosten bis zum Wareneingang.
    Bezugspreis
    - Bezugskosten
    = Bareinkaufspreis
    Bezugskosten sind alle anfallenden Kosten rund um den Einkauf (z. B. Verpackung, Zollgebühren, Versandkosten)
    Bareinkaufspreis
    + Lieferskonto
    = Zieleinkaufspreis
    Auf den Bareinkaufspreis muss das Lieferskonto addiert werden (meist 2 oder 3 Prozent). Lieferskonto ist ein Nachlass, der in der Regel für eine besonders schnelle Zahlung gewährt wird.
    Zieleinkaufspreis
    + Lieferrabatt
    = Listeneinkaufspreis
    Lieferrabatt wird meist bei der Abnahme größerer Mengen gewährt.

    Das Ergebnis der Rechnung, der Listeneinkaufspreis, sagt aus, wie teuer das Produkt im Einkauf höchstens sein darf, um den gewünschten Gewinn zu erzielen. Idealerweise vergleichen Unternehmer verschiedene Lieferanten, indem sie die Kalkulation ab dem Bezugspreis mit mehreren Angeboten durchlaufen.

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      Autor Ertan Özdil
      Autor dieses Artikels ist , CEO, Gründer und Gesellschafter des Cloud ERP-Anbieters weclapp.
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