Chaotische Lagerhaltung einfach erklärt

Bei der chaotischen Lagerhaltung sind Artikel keinem festen Lagerplatz zugeordnet. Der Begriff „chaotisch“ darf allerdings nicht falsch interpretiert werden, denn dahinter verbirgt sich ein ausgeklügeltes System. Wie es angewandt wird, für welche Szenarien es sich eignet und welche Vorteile sich daraus ergeben, erfährst du in diesem Artikel.>

 

Definition: Was ist chaotische Lagerhaltung?

Die klassische Lagerhaltung ist statisch. Das heißt: Den Artikeln sind feste Lagerplätze zugeordnet. Bei der chaotischen Lagerhaltung werden Artikel hingegen an beliebigen freien Plätzen eingelagert. Diese Art der Lagerung wird daher auch als dynamische Lagerhaltung oder Freiplatzsystem bezeichnet. Natürlich müssen bei der Zuweisung der Lagerplätze dennoch bestimmte Kriterien eingehalten werden. Zu nennen sind beispielsweise:

    • Abmessungen
    • Gewicht
    • Mindestabstände (z. B. bei Gefahrgut)

 

Wichtig: Damit Artikel trotz chaotischer Lagerhaltung jederzeit auffindbar sind, muss das Lager optimal organisiert sein. Ohne eine geeignete WaWi-Lösung ist dies nicht realisierbar.

 

Ziele und Funktionsweise der chaotischen Lagerhaltung

Das primäre Ziel der dynamischen Lagerhaltung ist die optimale Nutzung vorhandener Lagerfläche. Dies wird erreicht, indem alle unbelegten Plätze für alle einzulagernden Artikel zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: Beim Festplatzsystem bleiben Lagerplätze selbst dann für Artikel reserviert, wenn sie komplett ausverkauft sind.

Die Zuweisung von Lagerplätzen erfolgt in aller Regel automatisch durch ein WaWi-System. Anhand vorgegebener Parameter legt die Software also eigenständig fest, wo ein Artikel einzulagern ist. Hierbei können neben Abmessungen und Gewichten zusätzliche Aspekte einfließen, um weitere Optimierungen zu erreichen:

  • Möglichst kurze Entfernung zum Lagereingang
  • A-Artikel (Schnelldreher) an schnell erreichbaren Plätzen einlagern
  • C-Teile im hinteren Teil des Lagers platzieren
  • Schwere Artikel unten, leichte Artikel oben

 

Wann macht eine chaotische Lagerhaltung Sinn?

Die chaotische Lagerhaltung entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn bestimmte Rahmenbedingungen zutreffen. Die folgende Aufstellung zeigt, wann der dynamische und wann der statische Ansatz sinnvoller ist.

 

Chaotische Lagerung empfehlenswertStatische Lagerung empfehlenswert
Lager mit hoher KapazitätKleineres, überschaubares Lager
Breites Sortiment, häufig wechselnder BestandKleines Sortiment, das kaum variiert
Hohe UmschlagshäufigkeitGeringe bis mittlere Umschlagshäufigkeit
Automatisierte Prozesse und Software-Unterstützung vorhandenManuelle Prozesse, eingesetzte Software unterstützt dynamische Lagerung nicht

 

Vorteile der chaotischen Lagerhaltung

Neben der optimalen Nutzung von Lagerkapazitäten gehen weitere Vorteile mit der chaotischen Lagerhaltung einher. So ergeben sich Zeiteinsparungen bei der Aufnahme neuer Artikel, da keine manuelle Lagerplatzzuweisung erfolgen muss. Auch das Umräumen entfällt. Vorteilhaft ist zudem die Übersichtlichkeit. Jeder Mitarbeiter kann anhand des Systems nachvollziehen, wo sich Artikel befinden oder wo diese einzulagern sind. Während Lagermitarbeiter beim Festplatzsystem Lagerplätze häufig im Kopf haben müssen, kann die Kommissionierung im chaotischen Lager theoretisch sogar von betriebsfremden Personen durchgeführt werden.

 

Als weitere Vorteile sind zu nennen:

Kompensation von Störungen: Da ein Artikel meist mehrere Lagerplätze hat, fallen Störungen in bestimmten Lagerbereichen oder Gassen weniger stark ins Gewicht.

Optimierung der Kommissionierung durch systemgestützte Wegeoptimierung und Berücksichtigung der Umschlagshäufigkeit

 

Nachteile der chaotischen Lagerhaltung

Selbstverständlich bringt die dynamische Lagerhaltung auch einzelne Nachteile mit sich. Diese stellen sich zusammengefasst wie folgt dar:

 

Relativ hohe Investitionskosten (Lager-/Automatisierungstechnik, System)

Probleme bei Systemausfall

Erfordert höchste Disziplin

Falsche Einlagerung bleibt durch Mitarbeiter unentdeckt

Verlängerung der Laufwege, wenn Umschlagshäufigkeit nicht berücksichtigt wird

 

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Ertan ist CEO, Gründer & Gesellschafter von weclapp und schreibt in diesem Blog über aktuelle Entwicklungen rund um die ERP-Software. Außerdem gibt er seine Erfahrung als Gründer weiter sowie seine Expertise in den Bereichen Warenwirtschaft und Buchhaltung.Seine ersten Erfahrungen sammelte er Anfang der 1990er mit der Entwicklung eines Warenwirtschaftssystems für einen IT-Großhändler. 2001 entwickelte er eine Open Source Lösung für das Customer Relationship Management – eines der ersten Open Source CRM-Systeme, die es zum damaligen Zeitpunkt überhaupt gab.Das Know-How aus diesen beiden Schlüsselprojekten sowie zahlreiche Prozessberatungen in Unternehmen führten 2008 zu der frühen und richtungsweisenden Idee von weclapp: eine Cloud-basierte ERP-Software für alle Unternehmensbereiche. Damit war Ertan einer der ersten, der das Potenzial einer solchen Anwendung erkannte und eine Cloud-Lösung zur Unternehmenssteuerung auf den Markt brachte.

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