Deckungsbeitrag und Deckungsbeitragsrechnung einfach erklärt!

Unabhängig von der Größe und Branche hat jedes Unternehmen Interesse daran Gewinne zu erzielen. Die Gewinnzone beginnt jedoch erst, wenn mit den Umsatzerlösen sowohl die variablen als auch die fixen Kosten gedeckt sind. In diesem Kontext spielt der Deckungsbeitrag eine entscheidende Rolle. Unter anderem unterstützt er das Controlling, die Preisgestaltung und die Absatzplanung.

Hier bekommst du alle wichtigen Informationen auf den Punkt erklärt und dank verständlicher Beispiele erschließt sich die Deckungsbeitragsrechnung auch Einsteigern!


>

 

Was ist der Deckungsbeitrag?

Der Deckungsbeitrag ist ein Begriff aus der betriebswirtschaftlichen Kosten- und Leistungsrechnung. Um ihn näher zu definieren, müssen zunächst drei grundlegende Begriffe bekannt sein:

  • Erlöse: erzieltes Ergebnis (Verkaufspreis x verkaufte Menge)
  • Variable Kosten: veränderliche Kosten, die abhängig von der Produktions- bzw. Absatzmenge steigen oder sinken
  • Fixkosten: Kosten, die unabhängig von der Produktions- bzw. Absatzmenge konstant bleiben

Der Deckungsbeitrag ergibt sich, wenn die variablen Kosten von den Erlösen abgezogen werden. Somit wird ersichtlich, in welcher Höhe ein Produkt zur Deckung der Fixkosten beitragen kann.

Natürlich muss es das unternehmerische Ziel sein, mit dem Verkauf von Produkten (oder Dienstleistungen) sämtliche Kosten zu decken und Gewinne zu erzielen. Der Deckungsbeitrag kann beispielsweise herangezogen werden, um die Absatzmenge zu ermitteln, ab der dies der Fall ist. Er beantwortet also die essenzielle Frage:

? Wie viel Stück eines Produktes muss ich mindestens verkaufen, um in der Gewinnzone zu sein?

Die Rede ist hierbei auch vom sogenannten Break-even-Point. Darüber hinaus ist der Deckungsbeitrag ein wichtiges Instrument der Preiskalkulation.

 

Welche Arten von Deckungsbeiträgen gibt es?

Grundsätzlich können zwei Arten von Deckungsbeiträgen unterschieden werden:

  • Stückdeckungsbeitrag: bezieht sich auf ein einzelnes Produkt
  • Gesamtdeckungsbeitrag: bezieht sich auf die gesamte Absatzmenge

Um den Stückdeckungsbeitrag zu ermitteln, werden die variablen Kosten pro Stück von den Verkaufserlösen pro Stück abgezogen.

Stückdeckungsbeitrag

Ist das Ergebnis größer Null, liegt ein positiver Deckungsbeitrag vor. Im umgekehrten Fall – also bei einem Ergebnis kleiner Null – ist die Rede vom negativen Deckungsbeitrag. Hier reicht der Erlös also nicht einmal aus, um die variablen Kosten zu decken. Es bleibt zudem kein „Beitrag“ zur Deckung der Fixkosten mehr übrig.

Hinweis: Den Normalfall sollten selbstverständlich Produkte mit positivem Stückdeckungsbeitrag darstellen. „Verlustbringer“ werden in der Regel aus dem Portfolio genommen. Nur in Ausnahmefällen – etwa zur Abrundung des Sortiments – haben sie eine Daseinsberechtigung. In diesem Fall kann der negative Deckungsbeitrag einzelner Posten durch die positiven Deckungsbeiträge vieler anderer Produkte kompensiert werden.

Wird der Stückdeckungsbeitrag mit der Absatzmenge multipliziert, ergibt sich der Gesamtdeckungsbeitrag. Diese Relation ist wichtig, um realistische Zahlen für eine bestimmte Periode zu erhalten.

 

Einstufige vs. mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Die Deckungsbeitragsrechnung kann einstufig oder mehrstufig erfolgen. Bei der einfachen Variante werden die variablen Kosten der Produkte vom Gesamterlös subtrahiert. Im zweiten Schritt werden dann sämtliche Fixkosten vom Deckungsbeitrag abgezogen. Ergibt diese Rechnung einen positiven Betrag, erzielt das Unternehmen Gewinn.

 

Beispiel: Einstufige Deckungsbeitragsrechnung

Ein Obstverkäufer betreibt einen Stand auf dem Stadtmarkt. Gemeinsam mit seiner Angestellten Julia verkauft er dort Äpfel vom Bodensee. Folgende Zahlen liegen (bezogen auf einen Monat) vor:

 

Standmiete: 1.000 Euro

Gehalt für Angestellte: 2.000 Euro

Die Fixkosten des Obstverkäufers, welche unabhängig vom Absatz stets konstant anfallen, liegen also bei 3.000 Euro pro Monat.

 

Einkaufskosten für Äpfel: 3.000 Euro

Kosten für Verkaufsverpackung (Tüten): 200 Euro

Die variablen Kosten liegen im Betrachtungszeitraum bei insgesamt 3.200 Euro.

 

Verkaufserlöse: 8.000 Euro

Nun liegen alle Zahlen vor, um eine Deckungsbeitragsrechnung durchzuführen:

 

Umsatzerlös8.000 Euro
variable Kosten 3.200 Euro
= Deckungsbeitrag= 4.800 Euro
3.000 Euro fixe Kosten
= Ergebnis= 1.800 Euro

 

Fazit: Der Deckungsbeitrag des Obstverkäufers ist hoch genug, um seine fixen Kosten zu decken. Er erzielt darüber hinaus einen monatlichen Gewinn von 1.800 Euro.

 

Beispiel: Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Die einfache Deckungsbeitragsrechnung eignet sich in erster Linie für Unternehmen mit einem sehr überschaubaren Produkt- oder Dienstleistungsportfolio. Ab einer gewissen Größenordnung, mehreren Produktgruppen und unterschiedlichen Kostenstellen findet in der Regel die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung Anwendung.

Wir bleiben bei obenstehendem Beispiel (dem Obstverkäufer), nehmen aber an, dass an einigen Wochentagen nun auch noch exklusive Trüffel aus Frankreich verkauft werden. Hierfür wird eigens ein geschulter Verkaufsberater eingesetzt, dessen Gehalt 1.000 Euro pro Monat beträgt. Die Einkaufskosten für die Trüffel liegen bei 1.500 Euro pro Monat. Verkäuferin Julia kümmert sich fortan sowohl um Äpfel als auch um Trüffel. Es ergibt sich folgendes Bild:

 

ÄpfelTrüffel
Umsatzerlös8.000 Euro1.800 Euro
variable Kosten3.200 Euro1.500 Euro
= Deckungsbeitrag 1= 4.800 Euro= 300 Euro
produktfixe Kosten1.000 Euro (Gehalt Trüffelberater)
= Deckungsbeitrag 2= 4.800 Euro= – 700 Euro
Summe Deckungsbeiträge4.100 Euro
Unternehmens-fixkosten 3.000 Euro (Standmiete + Gehalt Julia)
= Ergebnis= 1.100 Euro

 

Fazit: Erst aufgrund der mehrstufigen, nach Produktarten getrennten Betrachtung wird deutlich, dass das Betriebsergebnis durch den Trüffelverkauf negativ beeinflusst wird. Der Obstverkäufer hat nun mehrere Möglichkeiten:

  • Trüffel aus dem Sortiment nehmen, rein auf Äpfel fokussieren
  • Einkaufspreise senken
  • Absatzmengen steigern
  • Verkaufspreise erhöhen

 

Break-even-Point berechnen

Um den Geschäftsbereich „Trüffel“ zu optimieren, kann der Obstverkäufer eine Break-even-Analyse durchführen. Nehmen wir an, es liegt folgendes Zahlenmaterial vor:

  • Verkaufspreis pro Trüffel: 18 Euro
  • Variable Kosten pro Trüffel: 15 Euro
  • Deckungsbeitrag pro Trüffel: 3 Euro
  • Produktfixkosten: 700 Euro

Die Formel zur Break-even-Point-Bestimmung lautet:

Gewinnschwellenmenge = Fixe Kosten ÷ Deckungsbeitrag pro Stück

Wir müssen in diesem Fall also die Produktfixkosten von 700 Euro durch den Stückdeckungsbeitrag von 3 Euro teilen. Im Ergebnis erhalten wir 233,33 Stück. Ab dieser Menge wäre mit dem Trüffelgeschäft bei unveränderten Verkaufspreisen ein positiver Deckungsbeitrag 2 realisierbar.

 

Das könnte dich auch interessieren:

▸ Inventur
▸ Lagerkosten
▸ Wareneingang

Ertan ist CEO, Gründer & Gesellschafter von weclapp und schreibt in diesem Blog über aktuelle Entwicklungen rund um die ERP-Software. Außerdem gibt er seine Erfahrung als Gründer weiter sowie seine Expertise in den Bereichen Warenwirtschaft und Buchhaltung. Seine ersten Erfahrungen sammelte er Anfang der 1990er mit der Entwicklung eines Warenwirtschaftssystems für einen IT-Großhändler. 2001 entwickelte er eine Open Source Lösung für das Customer Relationship Management – eines der ersten Open Source CRM-Systeme, die es zum damaligen Zeitpunkt überhaupt gab. Das Know-How aus diesen beiden Schlüsselprojekten sowie zahlreiche Prozessberatungen in Unternehmen führten 2008 zu der frühen und richtungsweisenden Idee von weclapp: eine Cloud-basierte ERP-Software für alle Unternehmensbereiche. Damit war Ertan einer der ersten, der das Potenzial einer solchen Anwendung erkannte und eine Cloud-Lösung zur Unternehmenssteuerung auf den Markt brachte.

Schreibe einen Kommentar