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Kleinunternehmerregelung

Was ist die Kleinunternehmerregelung?

Die Kleinunternehmerregelung stellt eine steuerliche Ausnahme dar, welche in 19 Abs. 1 UStG  geregelt ist. Sie besagt, dass nicht jedes Unternehmen auf seine Umsätze Umsatzsteuer berechnen muss. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Inhaltsverzeichnis

  1. Welche Voraussetzungen müssen für die Kleinunternehmerregelung erfüllt sein?
  2. Welche Vor- und Nachteile hat ein Kleinunternehmer?
  3. Umsatzsteuer vs. Vorsteuer – ein Beispiel
  4. Für wen lohnt sich der Status Kleinunternehmer?
  5. Welche Hinweise müssen auf die Rechnung eines Kleinunternehmers?

Welche Voraussetzungen müssen für die Kleinunternehmerregelung erfüllt sein?

Damit  die Kleinunternehmerregelung Anwendung findet, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Der Umsatz des Vorjahres darf nicht über 17.500 Euro gelegen haben.
  • Im laufenden Jahr werden voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz erwartet.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Kleinunternehmer?

Der Status als Kleinunternehmer ist mit Vor- und Nachteilen verbunden. Der wichtigste Vorteil als Kleinunternehmer liegt vor allem in dem Wegfall von bürokratischem Aufwand. Dies wird vor allem von Existenzgründern geschätzt. Trotz des geringeren Aufwands ist die Kleinunternehmereigenschaft aber auch mit Nachteilen verbunden, die vor allem nach längerer Zeit in der Selbstständigkeit spürbar werden:

VorteileNachteile
Keine monatlichen oder
vierteljährlichen Umsatzsteuervoranmeldungen
Es ist kein Vorsteuerabzug möglich
Keine Unterscheidung zwischen Netto- und BruttobeträgenKleinunternehmer-Status kann Vertrauen beim Kunden in die Leistungsfähigkeit des Existenzgründers schmälern
Kein mühsames Ermitteln des jeweils geltenden Umsatzsteuersatzes (0 %, 7 % oder 19 %)

Umsatzsteuer vs. Vorsteuer – ein Beispiel

Wer die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nimmt, muss für alle Verkäufe an Kunden Umsatzsteuer berechnen. Diese Umsatzsteuer nimmt jedes Unternehmen stellvertretend für das Finanzamt ein.

Nach jeder Umsatzsteuervoranmeldung muss der Unternehmer diese Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Er kann jedoch von dieser Umsatzsteuerschuld die Umsatzsteuer abziehen, die er selbst bezahlt hat. Das ist die sogenannte Vorsteuer.

Beispiel: Unternehmer A stellt dem Kunden K für die Lieferung von Fahrzeugteilen 1.000 Euro in Rechnung. Er berechnet zusätzlich 19 % Umsatzsteuer. Der Kunde zahlt also 1.190 Euro. Zugleich bezahlt der Unternehmer A für den ihm von dem Unternehmen B gelieferten Computer einen Betrag von 357 Euro. Der Nettobetrag beträgt 300 Euro, der Umsatzsteueranteil beträgt 57 Euro.

Wie sieht es aus mit der Zahllast gegenüber dem Finanzamt?

  • A hat 190 € Umsatzsteuer eingenommen.
  • Aus der Rechnung des Unternehmens B kann A 57 € als Vorsteuer geltend machen.
  • Diese Vorsteuer mindert seine Zahllast: 190 € minus 57 € = 133 €.
  • A muss 133 € an das Finanzamt abführen.

Für wen lohnt sich der Status als Kleinunternehmer?

Die persönliche Situation entscheidet, ob man als Selbstständiger die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen sollte. Der Wettbewerbsvorteil (allerdings nur gegenüber Privatkunden) und der entfallende bürokratische Aufwand sind gute Argumente, die für die Kleinunternehmerregelung sprechen. Die fehlende Berechtigung zum Vorsteuerabzug spricht allerdings dagegen – insbesondere bei vorwiegend gewerblicher Kundschaft sowie hohen Investitionen und Ausgaben.

Status der Selbstständigkeit§ 19 Abs. 1 UStG
vorteilhaft?
Begründung
Vollerwerbs-GründerNeinEs werden langfristig höhere
Einnahmen angestrebt und damit die Regelbesteuerung
Nebenberuflich
Gewerbetreibende oder Selbstständige im B2B-
Bereich
NeinVerzicht auf den Vorsteuerabzug,
Amateur-Image
Nebenberuflich
Gewerbetreibende und
Selbstständige
im Privatkundengeschäft
Unter Umständen jaNiedrigere Endkundenpreise möglich,
vorteilhaft bei geringeren Investitionskosten

Welche Hinweise müssen auf die Rechnung eines Kleinunternehmers?

Auch ein Kleinunternehmer ist verpflichtet, jedem Kunden ordnungsgemäße Rechnungen auszustellen. Ihr maßgeblicher Inhalt ist in § 14 Abs. 4 UStG nachzulesen.

Wichtig ist, den Kunden als Rechnungsempfänger zu informieren, dass der Rechnungsaussteller ein Kleinunternehmer ist. Der Rechnungsempfänger kann dann, falls er selbst gewerblich oder freiberuflich tätig ist, aus der Rechnung keine Vorsteuer geltend machen. In der Praxis ist folgender Hinweis üblich:

  • Als Kleinunternehmer im Sinne des § 19 Abs. 1 UStG wird keine Umsatzsteuer ausgewiesen.

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Autor dieses Artikels ist Ertan Özdil, CEO, Gründer und Gesellschafter des Cloud ERP-Anbieters weclapp.

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