Was ist der Mindestbestand?
Der Mindestbestand ist ein Bestand im Lager, der als Reserve für außergewöhnliche Situationen dient. Er wird von Lagerverwaltern individuell festgelegt, ist abhängig von der Lagerstrategie und verhindert, dass Fehlmengenkosten entstehen.
Wofür benötigen Unternehmen den Mindestbestand?
In jedem Unternehmen können Situationen auftreten, in denen die Materialverfügbarkeit kurzfristig eingeschränkt ist. Dazu gehören beispielsweise Lieferverzögerungen, Produktionsprobleme beim Lieferanten oder unerwartete Nachfragespitzen.
Um in solchen Fällen weiterhin lieferfähig zu bleiben, wird für wichtige Artikel ein Mindestbestand definiert. Dieser wird auch als Sicherheitsbestand oder eiserner Bestand bezeichnet und dient als Reserve für unvorhersehbare Ereignisse.
Typische Gründe für einen Mindestbestand
- Lieferverzögerungen bei Lieferanten
- Unerwartet hohe Nachfrage
- Produktionsausfälle
- Transport- oder Logistikprobleme
- Fehlbestände durch Inventurdifferenzen
Wie wird der Mindestbestand festgelegt?
| Einflussfaktor | Bedeutung |
|---|---|
| Verbrauchsdaten | Wie hoch ist der durchschnittliche Bedarf? |
| Saisonale Schwankungen | Gibt es Spitzenzeiten im Jahresverlauf? |
| Lieferzeiten | Wie lange dauert die Wiederbeschaffung? |
| Lieferzuverlässigkeit | Wie häufig kommt es zu Verzögerungen? |
| Kritikalität des Artikels | Welche Folgen hätte ein Fehlbestand? |
Moderne Warenwirtschafts- und ERP-Systeme wie weclapp unterstützen Unternehmen dabei, Mindestbestände zu berechnen und regelmäßig zu überprüfen. Dabei fließen unter anderem Verbrauchsdaten, Wiederbeschaffungszeiten und historische Entwicklungen in die Berechnung ein.
Dadurch können Sicherheitsbestände besser an die tatsächlichen Anforderungen angepasst werden.
Warum ist die richtige Höhe bei Mindestbestand entscheidend?
| Mindestbestand zu niedrig | Mindestbestand zu hoch |
|---|---|
| Lieferengpässe | Höhere Lagerkosten |
| Produktionsstillstände | Höhere Kapitalbindung |
| Verlust von Umsatz | Geringere Lagerproduktivität |
| Schlechtere Lieferfähigkeit | Mehr Lagerfläche erforderlich |
Der Mindestbestand sollte daher weder zu hoch noch zu niedrig angesetzt werden. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten und gleichzeitig unnötige Lagerkosten zu vermeiden.
Wofür benötigen Unternehmen den Mindestbestand?
Der Meldebestand liegt über dem Mindestbestand. Wird er im Lager unterschritten, hat ein Unternehmen ausreichend Zeit, sich um Nachschub für die Produktion oder den Verkauf zu bemühen. Erst, wenn bei dieser „Bemühung“ unvorhersehbare Störungen auftreten, kommt der Mindestbestand ins Spiel. Der Meldebestand ist somit (wie auch der Maximalbestand) Bestandteil des Regelprozesses, während der Mindest- bzw. Sicherheitsbestand lediglich in besonderen Fällen zum Tragen kommt.
Formel zur Ermittlung des Mindestbestands
Für die Berechnung des Mindestbestands gibt es unterschiedliche Verfahren. In der Praxis wird der Sicherheitsbestand häufig auf Basis von Erfahrungswerten, Bedarfs- und Lieferzeitschwankungen oder statistischen Verfahren festgelegt.
Eine häufig verwendete Orientierungsformel lautet:
Mindestbestand = Verbrauch pro Tag x Lieferzeit
Zum Verständnis: Für den Meldebestand wird folgende Formel verwendet:
Meldebestand = Verbrauch pro Tag x Lieferzeit + Sicherheitsbestand
Wie berechnet man den Mindestbestand?
Wie obenstehende Formel verdeutlicht, benötigen Unternehmen nur zwei Werte, um dem Mindestbestand zu ermitteln. Einerseits muss bekannt sein, wie lange die durchschnittliche Wiederbeschaffungszeit einer Ware ist. Der zweite notwendige Wert ist der durchschnittliche Tagesverbrauch. Zusätzlich sollten mögliche Schwankungen bei Lieferzeit und Verbrauch berücksichtigt werden, da diese in der Praxis erheblichen Einfluss auf die notwendige Höhe des Mindestbestands haben können. Bei Bedarf kann außerdem ein Sicherheitszuschlag hinzugerechnet werden.
Mindestbestand berechnen: Beispiel
Nehmen wir an, die E-Commerce Handels GmbH verkauft jeden Tag 30 Stück Spielekonsolen. Die durchschnittliche Lieferzeit für die Ware beträgt 10 Tage. In unserem Beispiel können wir den Melde- bzw. Sicherheitsbestand wie folgt berechnen:
Mindestbestand = 10 Tage x 30 Stück Tagesverbrauch = 300 Stück
Das Unternehmen sollte also mindestens 300 Stück der Spielekonsole als Sicherheitsbestand am Lager haben, um auf Notfälle wie Störungen in der Logistik vorbereitet zu sein. Je nach Branche und Erfahrungswert können Verantwortliche in den Bereichen Lager und Logistik nun noch einen Sicherheitszuschlag hinzufügen – beispielsweise in Höhe von 10 Prozent.
Der optimale Mindestbestand verändert sich ständig
Viele Unternehmen definieren Mindestbestände einmal und hinterfragen sie anschließend jahrelang nicht mehr. Genau darin liegt häufig das eigentliche Problem. Märkte, Kundenverhalten, Lieferzeiten und Sortiment verändern sich kontinuierlich. Ein Mindestbestand, der vor drei Jahren sinnvoll war, kann heute bereits zu hoch oder zu niedrig sein.
Erfolgreiche Unternehmen betrachten Mindestbestände deshalb nicht als festen Wert, sondern als dynamischen Steuerungsparameter, der regelmäßig überprüft und angepasst wird.