Lagerhaltung

Was ist Lagerhaltung?

Lagerhaltung ist eine Teilaufgabe der Materialwirtschaft. Sie umfasst in den Bereichen Produktion und Logistik die Lagerung von Waren und Gütern sowie die Planung und Verwaltung der Bestände in einem Lager.

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    Lesedauer: 5:08 min

    Was sind Aufgaben der Lagerhaltung? 

    Bei der Lagerung von Produkten oder Materialien wird der betriebliche Materialfluss bewusst unterbrochen, um Lagerbestände zu bilden. Im Rahmen der Lagerhaltung sind hierfür ein Lager sowie eine (meist IT-gestützte) Lagerverwaltung erforderlich, in der Lagerstruktur, Belegung und Bestände abgebildet und Zu- sowie Abgänge lückenlos pro Artikel/Lagerplatz dokumentiert werden.  

    Die Lagerhaltung erfüllt folgende Aufgaben und Lagerfunktionen:  

    • Sicherungsfunktion: Die Lagerhaltung dient der Absicherung der Produktion und Lieferfähigkeit bei sich verändernden internen Bedarfen und Abrufen. Durch die Lagerung von Materialien und Produkten kann sich das Unternehmen unabhängiger vom Beschaffungs- oder Absatzmarkt machen und die Verfügbarkeit des eigenen Sortimentes sicherstellen.  
    • Ausgleichsfunktion: Sowohl bei der Beschaffung benötigter Materialien als auch beim Absatz fertiger Produkte kann es zu Schwankungen kommen, etwa durch eine erhöhte Nachfrage oder einen Lieferengpass. Mit einem eigenen Lager und ausreichenden Beständen können Unternehmen solche Schwankungen ausgleichen. 
    • Veredelungsfunktion: Güter, bei denen die Lagerung wesentlichen Anteil an der Qualität des Endproduktes hat, gewinnen durch die Veredelungs- oder auch Produktionsfunktion der Lagerhaltung. Ein Beispiel dafür sind Bananen, die im unreifen Zustand geerntet und exportiert werden. Sie reifen erst im Lager nach und gelangen dann im gewünschten Reifegrad in den Einzelhandel.  
    • Umformungsfunktion: Die Lagerhaltung übernimmt die Aufgabe, die vom Lieferanten oder aus der Produktion stammende Ware verkaufsfähig zu machen, etwa indem sie verpackt und etikettiert wird.  
    • Spekulationsfunktion: Lagerhaltung ermöglicht es, starke Preisschwankungen auf dem Beschaffungsmarkt auszugleichen und das Unternehmen gegen Preisschwankungen abzusichern. Auch kann ggf. durch eine größere Bestellmenge beim Lieferanten ein niedrigerer Einstandspreis erzielt werden.  

    Lagerhaltung: Welche Lagerarten gibt es?  

    Lager lassen sich anhand unterschiedlicher Kriterien einteilen. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sind:   

    Lagergut 

    Konsistenz, Material, Gewicht und Volumen des Lagerguts stellen konkrete Anforderungen an das Lager, ebenso Menge und Anzahl, Wert und Haltbarkeit der zu lagernden Güter.  

    Betriebsart des Unternehmens  

    Industriebetriebe stellen andere Anforderungen an die Lagerhaltung als eine Spedition, die ein Auslieferungs- oder Verteillager unterhält. Ein Groß- oder Einzelhändler hat andere Ansprüche als der Betreiber eines Zolllagers.  

    Lagereigentümer 

    Wird das Lager vom Unternehmen selber betrieben und bewirtschaftet, handelt es sich um ein Eigenlager. Werden Lagerfläche bzw. Lagerleistung kurz- oder langfristig gemietet, handelt es sich um ein Fremdlager.  

    Standort des Lagers  

    Ein Zentrallager ist in der Regel entsprechend dimensioniert und ausgestattet, um verschiedene Funktionen der Lagerhaltung zu erfüllen. Dezentrale Lager sind z. B. Außenlager bei einem externen Dienstleister, beim Lieferanten oder Kunden.   

    Lagerbauweise 

    Die Lagerbauweise (z. B. offenes Freilager oder geschlossenes Hochregallager) stellt die Grundlage für bestimmte Lagerbedingungen dar und ermöglicht es, das Lager in unterschiedlichen Bereichen zu optimieren.  

    Lagertechnik 

    Die Lagertechnik umfasst sämtliche Lagereinrichtungen wie Regale, Schränke, Paletten und Behälter, die für den Betriebs des Lagers und das logistische Handling erforderlich sind.  

    Lagertransportmittel 

    Transportmittel wie Fördertechnik, Flurförderzeuge oder Lkw ermöglichen den schnellen und kosteneffizienten Umschlag von Gütern im Lager.  

     

    Welche Lagerstrategien kommen bei der Lagerhaltung zur Anwendung? 

    Für die Lagerhaltung stehen verschiedene Strategien zur Auswahl, von denen auch mehrere parallel für unterschiedliche Waren oder Produkte genutzt werden können. Die gängigsten Lagerstrategien sind:  

    • First In – First Out (FiFo): Hierbei werden zuerst eingelagerte Artikel auch zuerst wieder ausgelagert. FiFo wird unter anderem bei verderblichen Waren und Saisonartikeln angewendet.  
    • Last In – First Out (LiFo): Die zuletzt eingelagerten Artikel werden als erste wieder ausgelagert.
    • First Expired – First Out (FeFo): Hierbei wird nicht das Einlager-, sondern das Haltbarkeitsdatum zur Ermittlung der Auslagerreihenfolge herangezogen.  
    • Chaotische Lagerhaltung: Bei der chaotischen Lagerhaltung werden Artikel „chaotisch“ über das gesamte Lager verteilt, um damit eine Optimierung der Fahr- und Kommissionierzeiten zu erreichen (und z. B. bei Artikeln auf mehr als einem Lagerort eine möglichst gleichmäßige Auslastung aller Lagergänge und -mitarbeiter).  

    Welche Kosten entstehen durch Lagerhaltung?  

    Der Betrieb eines Lagers verursacht Kosten, die in der Regel nicht wertschöpfend sind – eine Ausnahme stellt die Veredelungsfunktion dar – und daher genau geplant und regelmäßig anhand von Lagerkennzahlen und einem Kostenmonitoring überwacht werden müssen.  

    Zu den Kosten der Lagerhaltung zählen unter anderem:  

    • Miete, Pacht und andere Kosten des Gebäudes selber  
    • Betriebskosten für Strom, Heizung, Kühlung, Wasser 
    • Personalkosten 
    • Reinigungskosten 
    • Leasinggebühren für Flurförderzeuge und Lagertechnik 
    • Kosten für Lagerhaltungs-Software (Lagerverwaltung, Materialflussrechner, …) 
    • Versicherungen 

    Es handelt sich bei den Kosten für die Lagerhaltung in der Regel um Fixkosten, die unabhängig von der Ausbringungsmenge anfallen (z. B. Mieten, Personalkosten, Versicherungen etc.)  

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      Autor Ertan Özdil
      Autor dieses Artikels ist , CEO, Gründer und Gesellschafter des Cloud ERP-Anbieters weclapp.

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